Montag, 29. September 2008

Historisches Wegekreuz




Denkmalgeschütztes Haus, Lindenstraße Düsseldorf

Freitag, 19. September 2008

Donnerstag, 4. September 2008

Auszug aus dem „Titurel“ (Strophe 122-124)

(122)
Ich hân vil âbende al mîn schouwen
ûz venstren über heide, ûf strâze unt gein den liehten ouwen
gar verloren. er kom et mir ze selten.
des müezen mîniu ougen friundes minne mit weinen tiure gelten.

(123)
Sô gên ich von dem venster an die zinnen.
dâ warte ich ôsten unt westen, obe ich möhte des werden innen,
der mîn herze lange hât betwungen.
man mac mich vür die alten senden wol zelen, niht für die iungen.

(124)
Ich var ûf einem wâge eine wîle.
dâ warte ich verre, mêre dane drîzec mîle,
durch daz ich hôrte solhiu maere,
daz ich nâch mînem iungem clârem friunde kumbers enbaere.


Wolfram von Eschenbach (Lebensdaten sind spekulativ: geb. um 1160/80; gest. um/nach 1220)


(Übersetzung Strophe 122)
Ich habe soviele Abende all meine Blicke aus dem Fenster, über die Heide, auf die Straße und hin zu den hellen Auen umsonst ausgesandt: Er kam doch niemals zu mir. Deshalb müssen meine Augen die Liebe zum Geliebten mit Weinen teuer bezahlen.

(Übersetzung Strophe 123)
So gehe ich vom Fenster weg, hin an die Zinne. Da schaue ich aus nach Osten und Westen, ob ich den erkenne, der mein Herz schon lange bezwungen hat. Man kann mich mit Grund schon zu den alten Sehnsüchtigen zählen, nicht zu den jungen Liebenden.

(Übersetzung Strophe 124)
Ich fahre lange auf den Wogen umher, da schaue ich weit aus, mehr als dreißig Meilen, um solche Berichte zu hören, die mir den Kummer um meinen jungen, schönen Freund nehmen.


Der Text folgt der Studienausgabe des „Titurel“ von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie mit einer sehr guten Einführung und einem sehr guten Stellenkommentar (Berlin, New York 2003). Übersetzung: Martin Schuhmann

Das Werk
Wolfram hat den „Titurel“ wahrscheinlich um 1220 verfasst, das Werk ist uns nur in zwei kurzen Fragmenten überliefert. In einer komplizierten Strophenform und in einem schwierigen Mittelhochdeutsch wird die Vorgeschichte des Tods eines Ritters erzählt – des Mannes, nach dem sich die Sprecherin Sigune oben sehnt. Obwohl sie sich nach ihm verzehrt (wenn wir dem Text glauben dürfen), wird sie ihrem Geliebtem Schianatulander durch eine Vorbedingung für ihre Liebe in den Tod schicken: Die junge Frau will ihm erst ihre Liebe geben, wenn er einen entlaufenen Hund zurückholt, auf dessen kostbarer Hundeleine der Roman einer unglücklichen Liebe steht. Heute wird das Werk meist als Ergebnis einer Sprach- und Sinnkrise gelesen.

Montag, 1. September 2008

Mittwoch, 20. August 2008

Abschied

Das Gestern, das mich flieht, kann ich nicht halten,
Das Heute drückt mich wie ein Frauenschuh.
Die kleinen Wandervögel schon entfalten
Die Flügel herbstlich ihrer Heimat zu.
Ich steige auf den Turm, die Arme weit zu dehnen,
Und fülle meinen Becher nur mit Tränen.

Ob ich, ihr großen Dichter, euer werde?
Ich bin gekrönt, wenn mich ein Vers von euch umflicht.
Und meine Füße stampfen wohl die Erde,
Doch ach zum Himmel tragen sie mich nicht.

Wer kann den Springbrunn mit dem Degen spalten?
Wie Oel schimmt oben auf dem Wein die Not.
Das Gestern, das mich flieht, kann ich nicht halten.
Ich werf mich in ein steuerloses Boot.
Das Haar dem Winde flatternd preisgegeben,
Wird mich die Woge auf und nieder heben.


Li Tai-pe (699-762)

Nachdichtung aus dem Chinesischen von Klabund.

* über Li Tai-pe:
Li Tai-pe lebte in China von 699 bis 762 nach Christi Geburt. Als ewig trunkener, ewig heiliger Wanderer wandert er durch die chinesische Welt. Kunstsinnige Herrscher beriefen den erlauchten Vagabunden an ihren Hof, und oft genug erniedrigte und erhöhte sich der Kaiser zum Sekretär des Dichters: wenn Li Tai-pe nach einem Zechgelage ihm seine Verse im Morgengrauen in den Pinsel diktierte. Der Kaiser, der den Dichter und Menschen brüderlich liebte, machte ihn zum kaiserlichen Beamten, setzte ihm eine Rente aus und gab ihm als Zeichen seiner höchsten Gnade ein kaiserliches Prunkgewand zum Geschenk - für einen Chinesen damaliger Zeit die höchste Ehrung.
Li Tai-pe schleifte das kaiserliche Gewand durch alle Gossen der Provinz und ließ sich an Abenden voll Trunkenheit als Kaiser huldigen. Oder er hielt, in des Kaisers Kleidern, rebellische Ansprachen an die Trinkkumpane und das herbeigelaufene Volk. Er starb im Rausch, indem er bei einer nächtlichen Bootfahrt aus dem Kahne fiel. Die Legende läßt ihn von einem Delphin erretten, der ihn, während in den Lüften engelhafte Geister ihn betreuen, aufs Meer hinaus und in die Weite der Unsterblichkeit entführt.

Sein Volk vergötterte ihn und errichtete ihm einen Tempel; der kunstreichste der chinesischen Lyriker wurde auch der volkstümlichste. Noch heute genießt er in China, dem klassischen Lande des Literatentums, ein Ansehen, wie es nicht einmal Goethe bei den Deutschen genießt. Während eifrige Kommentatoren fortgesetzt am Werke sind, seinen Versen spitzfindige, tiefsinnige und geistreiche Erklärungen unterzulegen, singen junge und alte Burschen seine unsterblichen Lieder auf den Straßen.

Klabund

aus dem Nachwort von: Li-Tai-Pe. Nachdichtungen von Klabund. 1923

Mittwoch, 13. August 2008